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Seuchensaison nimmt kein Ende


Borussia Mönchengladbach steht mit eineinhalb Beinen in Liga 2

Es sind „Details“, die Lucien Favre glaubt, mit seinen Profis verbessern zu müssen. Was aber macht man mit einem Torhüter, der sich den Ball ein- und eigenhändig ins Netz boxt - wie Logan Bailly zur 0:1-Niederlage gegen den 1. FC Kaiserslautern?

Nun, erst schützen zum Beispiel - verbal. Und so erinnerte Gladbachs neuer Trainer tapfer an die guten Leistungen zuvor, speziell beim 1:1 in Bremen. Viel weiter durfte Favre nicht zurückgehen. Denn Bailly hatte bereits in der Hinrunde eine Krise, die seiner Mannschaft Punkte und ihn den Stammplatz kostete. Das wird erneut passieren, denn das muss Favres zweite Schutzaktion sein: Dem höhnischen Beifall der Fans bei belanglosen Schnapp-Aktionen kann ihn der Coach nicht erneut aussetzen.
 
Klassenerhalt: eine Utopie
Das Tragische an dessen Faustschlag: Es ist weit mehr als ein Detail. Das Eigentor macht aus dem angestrebten Klassenerhaltswunder eine Klassenerhaltsutopie. Erkennbar auch am Sprachgebrauch des frankophonen Schweizers. „Der Klassenerhalt ist möglich“, lautete die wenig euphorische Formel Favres bis hin zum Höllenritt gegen die Roten Teufel. Jetzt ist seine Sprache noch ernüchternder geworden. „Es war schon schwierig, bevor ich gekommen bin. Jetzt ist es noch schwieriger.“
 
Der Countdown läuft
Favre ist der Gegenentwurf zum verbalen Einpeitscher, der bis Ultimo das Blaue vom Fußball-Himmel redet. „Realistisch-optimistisch“ nennt der 53-Jährige seine Sicht-und Sprechweise. Die zu seinem Arbeitsstil passt. Auch in der Notsituation verzichtet er auf das künstliche Hochpeitschen von Emotionen, sein Plan ist kleinschrittig angelegt, der Weg ist das Ziel. Es geht um einen Umerziehungsprozess von der reaktiven Spielweise seines Vorgängers Michael Frontzecks zum Aktiv- und Kontrollspiel des Schweizers. Dominanz, schnelle, direkte Kombinationen mit Flachpässen, organisiertes Offensivspiel - diese Lektion ist nicht im Crashkurs zu vermitteln. „Präzision“ ist neben „Detail“ eines der Zauberwörter Favres. Doch von der Genauigkeit eines Schweizer Uhrwerks ist Borussia derzeit weiter entfernt denn je. Sie befindet sich in einem Zwischenstadium, im Umerziehungsprozess, auf der Suche nach der Balance zwischen altem und neuem Lernstoff. Das Einzige, was für Borussia Mönchengladbach derzeit perfekt tickt, ist die Erstliga-Uhr: Sie läuft ab. Der Countdown Richtung Zweite Liga hat spätestens mit dem 0:1 gegen Kaiserslautern begonnen.
-Bernhard Kütter

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