Meisterliche (Alb-)Träume
Bernhard Kütter glossiert Borussias Abstieg
aus der Spitzengruppe der Bundesliga
5. Mai 2012, 17.15 Uhr, mit gesenkten Köpfen trotten die Mönchengladbacher in Mainz vom Spielfeld. „Ihr werdet nie Deutscher Meister, nie Deutscher Meeeeister!“ singt das schunkelerprobte Publikum des Karnevalsvereins hämisch.
Gerade haben die Gäste vom Niederrhein 0:1 durch ein Eigentor von XXXX (Name der Redaktion bekannt) verloren. „Vize-Meister, Vize-Meister“ erweitern die Meeenzer Narren ihr Liedgut. Die Münchner Bayern sind mit einem Punkt Vorsprung erneut Meister, und Lucien Favre muss sich vor den ersten Kameras rechtfertigen. „Ich bin nicht enttäuscht und nicht unzufrieden über unsere Leistung. Es ist schade, aber wir wissen, wo wir herkommen.“
Öööööh??? Ach ja, Tabellen 16. der letzten Spielzeit, nach alten Regeln als Tabellendrittletzter eigentlich abgestiegen. Doch Stefan Effenberg funkelt als Sky-Star erzürnt und mag sich mit derlei Demut nicht anfreunden: „Das kann nicht der Anspruch dieses Vereins sein. Wenn man die Chance hat, Meister zu werden, muss man sie auch ergreifen. Ich werde jetzt alte Freunde um mich scharen, um diesen Klub, der mich so verdient, endlich wieder in erfolgreiche Zeiten zu führen.“ Aus Hinter-Aserbaidschan wird Berti Vogts zugeschaltet. Auch der Ex-Terrier ist in Rage. „Ich habe oft genug meine Hilfe angeboten - aber immer hat man die ausgestreckte Hand brutal zur Seite gestoßen. Aber was will man auch von einem Klub erwarten, dessen Sportdirektor in seiner Karriere nicht ein einziges Bundesliga-Tor geschossen hat.“
Max Eberl wird von Sky-Ikone Benno Fuhrmann gestellt, gewohnt aggressiv rückt der Meisterschafts-Experte dem Manager millimeternah auf die Pelle. „Herzlichen Glückwunsch zur Meisterschaft! Wie fühlen Sie sich in diesem Moment!“ Eberl beschlägt die Brille, aber er behält den Durchblick: „Wir müssen unseren Ansprüchen gerecht werden und nicht denen, die von außen an uns herangetragen werden“, wehrt er sich tapfer. Pätrick Überziehr aber meldet sich nun aus dem Studio: „Das kann doch nicht der Anspruch eines Managers sein! Wir werden uns damit auseinandersetzen in unserer Sky-High-Expertenrunde mit Horst Köppel, Stefan Effenberg und Lothar Matthäus.“ Im Mainzer Stadion brüllen die noch immer eingesperrten Borussen-Fans: „Wir sind Deutscher Meister und ihr nicht!“
Rummmms, Eberl liegt auf dem Boden - seines Schlafzimmers. Ein bewegender Albtraum! Langsam steigt zusammen mit den Kreuz-Schmerzen die Erleichterung auf: Es ist 6 Uhr morgens, der 23. Oktober 2011. Und seine Borussia hat nur 0:1 bei 1899 Hoffenheim verloren, ist nur von Platz 2 auf Rang 7 abgestürzt: Die Meisterschaft ist noch drin!!!
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