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Geduld ist eine Tugend


Rückschritt als Weg in den Fortschritt
Vor wenigen Jahren wäre ein Winter-Ausflug für Borussia Mönchengladbach nach Dubai noch unmöglich gewesen. Als Botschafter der Bundesliga im Auftrag der DFL taugte der Traditionsverein wenig aufgrund eines permanenten Kampfes ums sportliche Überleben.
Nun aber hat sich der Club vom Niederrhein re-etabliert in der Beletage des deutschen Fußballs. Und die - was die äußeren Bedingungen angeht - luxuriösen Tage in den Emiraten hätte Borussia auch wohl selbst finanzieren können, wenn auch nicht wollen - finanziell geht es dem Club ebenfalls gut. Und das, obwohl Sportdirektor Max Eberl im Sommer mächtig in die Vereinsschatulle greifen durfte, die normalerweise von Finanzminister Stephan Schippers fast schottisch verschlossen gehalten wird. Der Transfer von Marco Reus und das solide Wirtschaften machten sich im wahrsten Sinne bezahlt. Gladbach auf dem nächsten Level also? Erfolg ist nur bedingt konstruierbar. Doch kluges sportliches und wirtschaftliches Handeln machen ihn wahrscheinlicher.
Was aber immer gefragt bleibt, ist eine unbezahlbare und heutzutage immer seltener gezeigte Tugend: Geduld. Die Weiterentwicklung einer Mannschaft, die mit Reus einen außergewöhnlichen Kern verloren hat, kann auch einen Rückschritt erfordern. Sportlich-taktisch. Back to the roots, und das musste auch Trainer Lucien Favre einsehen und womöglich lernen. Die Abwehrstärke ging verloren beim anfänglichen Basteln einer reuslosen Formation.

Nun ist sie wieder zurückerarbeitet. Und in Dubai konnte damit begonnen werden, die alte neue Basis auszubauen - auch auf mehr offensive Akzente. Der neue Rhythmus durch die Europa-League-Belastung ließ das zuvor nur in Ansätzen zu. Die Rückrunde wird zeigen, wie nachhaltig der Blockunterricht in Arabien war. Es bleibt spannend, es bleibt ein Prozess, es bleibt die Forderung nach: Geduld!

-Bernhard Kütter
Foto: Lucien Favre war mit dem Trainingslager in Dubai zufrieden. (Foto: D. Wiechmann).